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Portraits – So kann Erfolg gehen

Sie sind inzwischen Geschäftsführer, Berater, Manager im Vertrieb oder selbst Unternehmer. Vier Führungskräfte schildern ihren Weg in den Job und stellen ihre Berufsfelder näher vor. 

Die Online-Händlerin

Freude daran, mit Menschen zu arbeiten, Neues aufzubauen und zu gestalten sowie die Bereitschaft, ein hohes Maß an Verantwortung zu übernehmen – so beschreibt Katharine Michaelis die Eigenschaften, die ihr als Geschäftsführerin des Agrar-Onlineshops myAGRAR wichtig sind. Dabei kommt die gebürtige Schleswig-Holsteinerin nicht aus der Landwirtschaft. »Ich habe aber schon als Kind viel Zeit auf einem Milchvieh- und Ackerbaubetrieb in der Nachbarschaft verbracht. Dort wurde meine Leidenschaft für die Landwirtschaft geweckt«, schildert sie.

Landwirtschaftliche Lehre als solides Fundament. »Als Frau und vor dem Hintergrund, dass ich nicht vom Hof komme, ist es für mich wichtig, eine hohe Praxisorientierung zu haben«. Die zweijährige Lehre hat sie darin bestärkt, dass Landwirtschaft ihre Passion und genau das ist, was sie machen möchte.
Die hohe Praxisorientierung setzte sich dann auch über das agrarwissenschaftliche Bachelor- und Masterstudium in Göttingen fort. In den ersten Jahren hat sie im Sommer immer als Erntehelferin gearbeitet. »Dann bin ich dazu übergegangen, in jeden Semesterferien – im Winter etwas kürzer, im Sommer etwas länger – mich in ganz verschiedenen Unternehmen, aber auch in unterschiedlichen Abteilungen umzusehen«, sagt sie. Um ein Gespür dafür zu bekommen, wie Unternehmen ticken und was es braucht, um in den verschiedenen Bereichen im Markt erfolgreich zu sein. Von der praktischen Landwirtschaft über Praktika in Abteilungen wie Controlling, M&A, Handel, Marketing, Export oder auch Finanzbuchhaltung und Forderungsmanagement war alles dabei. Ebenso vielfältig wie die Abteilungen waren die Unternehmen: Vom Konzern bis hin zum Familienbetrieb war alles vertreten. »So konnte ich sehen, was von der Unternehmenskultur und von der Art und Weise, wie gearbeitet wird, zu mir passt«, resümiert Michaelis.

Management-Weiterbildung als Vorbereitung auf den Berufseinstieg. »Inhalte wie strategisches Management, Finanzen, Controlling, Führungskompetenz und Leadership sind für meinen Geschmack im Agrarstudium etwas zu kurz gekommen«, sagt sie. Deshalb hat Katharine Michaelis diese vier Bausteine über die Boston Management School in Modulen zu je zwei Wochen parallel zum Master aufgesattelt.

Berufseinstieg. Der erste Kontakt zu ATR Landhandel liegt heute zehn Jahre zurück. Bereits während des Abiturs hat Katharine Michaelis im Rahmen eines Wirtschaftspraktikums für eine Woche verschiedene Abteilungen des Agrarhandelsunternehmens durchlaufen. Der Kontakt ist dann über das Studium hinweg erhalten geblieben. »Auch meine Bachelor- und Masterarbeit habe ich hier geschrieben und das Unternehmen so noch besser kennengelernt bzw. das Unternehmen mich«. Schon damals gab es die ersten Überlegungen dahingehend, wie sich der Landhandel und die Landwirtschaft zukünftig weiterentwickeln und wie das die Beziehung zwischen Landwirt und Handel beeinflussen wird. Amazon, Ebay – warum gibt es eigentlich im Agrarbereich keinen Onlinehandel? »Da wurde ich gefragt, ob ich die Idee eines Onlineshops für Betriebsmittel wie Pflanzenschutz, Saatgut und Dünger weiterentwickeln wolle«, blickt Michaelis zurück.
Im November 2016 ist sie als Mitarbeiterin bei ATR gestartet. »Schon nach vier Wochen war klar, dass ein Onlineshop für uns ein spannendes und chancenreiches neues Geschäftsmodell ist. Also haben wir die AgrarOnline GmbH als Start-up und Tochterunternehmen von ATR gegründet. In dem Zuge bin ich Geschäftsführerin geworden. Es folgte eine sehr intensive Aufbauzeit. Online sind wir seit dem 15. August 2017«. 

Als Geschäftsführerin arbeitet Katharine Michaelis an Strategien, Zielen, Marketingkampagnen und auch in der Entwicklung und im Produktmanagement. Gleichzeitig trägt sie Verantwortung für aktuell sieben Mitarbeiter. Das bedingt eine hohe Entscheidungsfreude und unternehmerisches Denken. Auch sind die Strukturen und Prozesse immer wieder neu aufeinander abzustimmen und zu optimieren. »Ich bin jemand, der ständig neugierig ist und immer guckt, was man aus anderen Branchen auf unsere übertragen kann«, ergänzt sie. Solche Impulse sind wichtig, denn myAGRAR wächst kräftig.

Der Unternehmer

Gut 60 ha Eigentumsflächen und Pachtpreise im vierstelligen Bereich – das waren die Rahmenbedingungen für Steffen Hauschild in seinem elterlichen Betrieb mit Schweinemast und Milchviehhaltung in Niedersachsen. Sinnvolles Wachstum ist da schier unmöglich.

Dass es ihn nach dem Studium der Agrarwissenschaften in Kiel nach Kaliningrad verschlägt, um dort als Betriebsleiter und Unternehmer aktiv zu sein, war trotzdem keine fixe Idee von ihm. »Ich wusste zu dem Zeitpunkt, als ich mit der Schule fertig war, noch gar nicht, ob ich in Richtung Landwirtschaft will«, sagt Hauschild. Erst nach einem sechsmonatigen Auslandsaufenthalt in Australien und während des Zivildienstes ist der Entschluss dazu gereift. Praxiserfahrungen hat er sich während des Studiums über fünf Sommer als Erntehelfer in Schleswig-Holstein gesammelt. »2012 bin ich dann zur Ernte nach Lettland, und da ist die Idee gekeimt, selber im Ausland was zu machen«, schildert Hauschild und ergänzt: »Da habe ich das erste Mal gesehen, was im Ausland möglich ist. Dass da große Chancen sind. Und dass man da auch nicht schlecht leben kann.« Da das Baltikum zu dem Zeitpunkt bei den Landpreisen schon überhitzt war, war ein Einstieg dort finanziell nicht darstellbar.

Familie als wichtiger Anker. »Ich stand immer im Dialog mit meinem Vater, der die Idee, einen Betrieb im Ausland aufzubauen, von Anfang an gut fand und auch unterstützt hat. Die Rückendeckung der Familie ist eigentlich der wichtigste Faktor, um ein solches Projekt zum Erfolg zu führen«, findet Hauschild.
»2014 habe ich dann jemanden kennengelernt, der in Kaliningrad aktiv ist. Ich war zunächst sehr skeptisch gegenüber Russland. Trotzdem bin ich zu einer Stippvisite dorthin aufgebrochen«, berichtet er von den Anfängen. 2015 ist Steffen Hauschild dann als Betriebsleiter in ein bestehendes Unternehmen im Oblast Kaliningrad eingestiegen. »Die vorhandene Infrastruktur und die etablierten Abläufe mit einer Mannschaft an Traktoristen haben mir den Einstieg extrem erleichtert«, sagt er heute. Für zwei Jahre blieb er auf dem ca. 1 700 ha großen Ackerbaubetrieb. Doch dann kam es zu Unstimmigkeiten unter den fünf Partnern, die alle im operativen Geschäft mitmischen wollten. »Da habe ich dann für mich entschieden, dass das in dieser Konstellation langfristig nicht das Richtige für mich ist und bin ausgestiegen«, erzählt er. 

Kompletter Neustart. Nach diesem ersten Rückschlag hat sich dann aber sehr schnell eine neue Chance eröffnet. »Ich habe relativ schnell einen neuen deutschen Partner gefunden und mich auf die Suche nach einem passenden Standort gemacht«, berichtet er. Sein jetziger Ackerbaubetrieb umfasst ca. 2 600 ha. Der Großteil davon sind Pachtflächen mit einer Laufzeit von 14 Jahren. Bei Staatsflächen laufen die Verträge sogar 46 Jahre – das bringt Planungssicherheit.

Um im Ausland erfolgreich zu sein, braucht es gute und vertrauensvolle Leute und man muss vor Ort sein. »Wenn man nicht vor Ort ist, funktioniert es auch nicht«, so Hauschild. Dessen muss sich jeder im Klaren sein, der so etwas anfängt. »Aufgeschlossen gegenüber Neuem, Mut und Durchhaltevermögen – das macht erheblich mehr aus, als eine tolle Ausbildung durchlaufen zu haben«, lautet der Tipp des jungen Unternehmers.

Manager im Vertrieb

Heiko Nies kommt von einem Milchviehbetrieb am Ostrand der Wetterau. »Ich hatte immer eine Leidenschaft für Technik, für Landwirtschaft im Allgemeinen und auch für Menschen. An den Kühen hing ich nicht unbedingt«, blickt er zurück. Nach dem Studium der Agrarwissenschaften in Gießen mit Schwerpunkt Ökonomie folgte 2004 das DLG-Traineeprogramm. »Damals gab es Jobs nicht wie Sand am Meer. Aber trotzdem habe ich nicht aus einer Unsicherheit heraus entschieden, in einem Trainee-Programm mitzumachen. Für mich war das eine Möglichkeit, für mich zu klären, wie ich meine persönlichen Werte einbringen will. Auch, um als Person und Charakter zu reifen«, begründet Heiko Nies seine Entscheidung.

Trainee-Programm als Türöffner. Nach einem Praktikum bei John Deere International im Rahmen des Traineeprogramms wurde ihm ein Stipendium von John Deere und ein weiteres Praktikum im Ag Marketing Centre in den USA angeboten. Daraufhin folgte der Karrierestart bei John Deere im Juli 2005 als Marketing Representive für Telematics in Zweibrücken. »Nach zehn Monaten ging es zurück nach Schaffhausen. Dort habe ich über sieben Jahre verschiedene Stationen im Unternehmen durchlaufen. Ich war Produktmanager für Sä- und Pflanzenschutztechnik, habe dann kommerzielle Verantwortung in verschiedenen John Deere-Märkten übernommen. Danach folgte Verantwortung im Strategischen Marketing für Mähdrescher, bis ich 2013 nach Deutschland zurückgekehrt bin«, schildert Nies. Dort hat er Entwicklungsprojekte rund um Precision Farming und Digitalisierung geleitet. Seit Ende 2015 leitet er als Manager After Market Sales das Ersatzteil- und Servicegeschäft und kümmert sich vor allem um die emotionale Komponente im Vertrieb. Was braucht es, um Kunden langfristig zu binden und eine langfristige Kundenbeziehung zu pflegen?
Ersatzteiltresen – mit dem Begriff After Market schwingt schon so etwas Staubiges mit. »Mit der ganzen Technologie rund um die Digitalisierung ist das heutzutage mit das Spannendste, was man in einem Unternehmen wie John Deere machen kann«, sagt Nies.

»Man braucht technische und agronomische Expertise, um auf Augenhöhe mit Landwirten und Lohnunternehmern diskutieren zu können«, erklärt er. Auch kommunikative Fähigkeiten sind in dieser Position gefragt. »Man muss Menschen, die mit begründetem Frust und Ärger auf einen zukommen auch mitnehmen können. Das ist gerade, wenn man Führungsverantwortung in einem Team innehat, wichtig, aber auch im Umgang mit Landwirten und Vertriebspartnern. Natürlich knallt es mal und es geht eine Maschine kaputt und die Prozesse greifen nicht so, wie sie sollen. Dann muss man auch mal einen Scherbenhaufen zusammenfegen. Das ist nicht die Regel. Aber dafür bildet einen im Studium oder auch zu Hause auf dem Bauernhof keiner aus«, berichtet Heiko Nies von seinen Erfahrungen.

Unternehmensberater

Für Carl-Friedrich Weber aus der Nähe von Plön in Schleswig-Holstein war Landwirtschaft von Kindesbeinen an präsent, auch wenn er selbst nicht von einem Betrieb kommt. Er ist aber in unmittelbarer Nähe zu einem Großbetrieb aufgewachsen und konnte dort schon früh erste Praxiserfahrungen sammeln. So war für ihn schon als Schüler klar, dass seine Zukunft in der praxisnahen Agrarbranche liegen sollte.

Nach dem Abitur hat er dann den Entschluss gefasst, direkt in das Studium der Agrarwissenschaften einzusteigen. »Wer wie ich in der Praxis tätig sein möchte, sollte möglichst viele praktische Erfahrungen sammeln und z. B. ein praktisches Jahr oder eine Ausbildung vor dem Studium absolvieren. Das würde ich im Nachgang auf meinem Weg ergänzen«, resümiert er heute. Während der Semesterferien hatte er auf Erntehelferbetrieben am Bodensee, in Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein Erfahrungen gesammelt, mit dem Ziel, eine Betriebsleiterlaufbahn einzuschlagen.

Mit Erasmus ins Ausland. Das Bachelorstudium der Agrarökonomie absolvierte Carl-Friedrich Weber in Bonn und Kiel. Im Master legte er über das Erasmus-Programm ein Auslandssemester in Barcelona ein. »Eine Sache, die ich jedem unbedingt empfehlen würde. Diese Möglichkeit zu nutzen und über den Tellerrand zu blicken, hat mir persönlich sehr viel gebracht«, berichtet Weber.
Fernab der ausgetretenen Pfade machte er im letzten Sommer des Studiums ein zweimonatiges Praktikum bei der DZ Bank. Einfach um neben der Praxis mal zu schauen, was es noch für Möglichkeiten gibt. »Und dort bin ich tatsächlich auch hängen geblieben. Da wurde meine Affinität für betriebswirtschaftliche Fragen weiter geweckt und mir im Nachgang auch ein Job angeboten«, blickt Weber auf seinen Berufseinstieg zurück. Im Januar 2014 startete er in der Agrarkreditabteilung in der Marktfolge. Dort analysierte er über zwei Jahre verschiedene Betriebe und Investitionskonzepte und lernte so das Agrarkreditgeschäft intensiv kennen. »Das war als Berufseinsteiger eine sehr gute und lehrreiche Zeit für mich, auf Dauer aber nicht betriebsnah genug«, sagt er. Durch Zufall ist dann der Kontakt zur betriebswirtschaftlichen Unternehmensberatung BB Göttingen GmbH zustande gekommen. Dort ist Carl-Friedrich Weber im Januar 2016 als Assistent eingestiegen, bis er selbstständiger Berater mit den ersten eigenen Betrieben und im Januar 2018 Partner wurde.

Unternehmensberatung: vielseitig, mit interessanten Perspektiven. »Mit dem Landwirt nicht nur Finanzierungsfragen zu besprechen, sondern die Betriebe bei den verschiedensten Fragestellungen und Herausforderungen zu unterstützen, das war es, was ich gesucht hatte«, berichtet Weber. Dabei ist man weit mehr als nur ein »Erfüllungsgehilfe«, der den Jahresabschluss auswertet und wichtige Kennzahlen interpretiert. Vielmehr geht es in gemeinsamen Diskussionen darum, die Betriebe bei einer positiven Entwicklung zu unterstützen. Dazu muss man hin und wieder für einen »Aha-Effekt« bei den Betriebsleitern sorgen, indem man einfach, sachlich und nüchtern treffende Aussagen zu komplexen Problemsituationen formuliert. Die Zusammenarbeit basiert dabei immer auf einem hohen Maß an Vertrauen und intensiven persönlichen Kontakten. 

Autor: Thomas Künzel

DLG-Traineeprogramm als Sprungbrett für die Karriere

Die Anforderungen an Führungskräfte sind in den vergangenen Jahren immens gestiegen. Unternehmen im Agribusiness denken strategisch nach vorne und sind deshalb ständigen Veränderungsprozessen unterworfen, die hohe Flexibilität und unternehmerisches Denken von ihren Mitarbeitern erfordern. Auch landwirtschaftliche Betriebe brauchen heutzutage Nachwuchskräfte, die nicht nur über ein hohes Maß an fachlicher Kompetenz verfügen, sondern auch als Führungskraft persönlich überzeugen können. 

Die heutigen Bildungswege fördern aber im Wesentlichen die fachlichen Kompetenzen, Management-Skills stehen dagegen nicht im Fokus. Hier setzt das Traineeprogramm an. Es besteht aus Seminar- und Praxiswochen und dauert neun Monate. In dieser Zeit bauen Sie auch Ihr berufliches Netzwerk in der Agrar- und Ernährungsbranche gezielt aus. 

Nähere Informationen finden Sie im Internet unter
www.dlg-akademie.de