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Karriereplanung - den nächsten Schritt machen

Das Studium nähert sich dem Ende und nun wird es plötzlich ernst. Machen Sie nicht den Fehler und handeln nach der Maxime »Hauptsache Job«. Dass der Berufseinstieg vielmehr eine strategische Vorbereitung erfordert, zeigt Isabel Purnhagen.

Gegen Ende des Studiums oder vor dem Abschluss einer Aus- oder Weiterbildung stellt sich die Frage – und nun? Wie geht es weiter? Was ist zu tun, damit man einen gut ausgebauten Karriereweg vor sich hat und sich nicht über eine schlam­mige Piste quälen muss?

Der Arbeitsmarkt. Zunächst gilt es einmal einen grundsätzlichen Blick auf den Arbeitsmarkt für Agrar-Absolventen zu werfen. Die Job-Aussichten sind insgesamt nach wie vor gut. Sicherlich gibt es Aufgabenfelder, in denen attraktive Stellen dünn gesät sind und die Anzahl derer, mit denen man um den erfolgreichen Berufseinstieg konkurrieren muss, vergleichsweise hoch ist. Dazu zählen nach wie vor das Marketing oder auch begehrte Traineestellen in größeren Unternehmen. Andere Themengebiete hingegen eröffnen auch und gerade für Berufseinsteiger vielfältige Perspektiven. Dazu zählen beispielsweise der Vertrieb oder Positionen, die einen hohen Bezug zur IT haben. Hier sind qualifizierte und motivierte Personen zumeist rar gesät und haben bessere Chancen, schnell und erfolgreich mit dem Erklimmen der Karriereleiter beginnen zu können. 

Wichtig ist also zunächst zu schauen, was der Arbeitsmarkt sucht und ob diese Positionen den eigenen Vorstellungen und Talenten entsprechen. Ist das nicht der Fall, gilt es nach Alternativen zu schauen oder sich auf einen etwas schwierigeren Berufseinstieg einzustellen, sich dann aber sehr auf die eigenen Ziele zu konzentrieren und nicht von möglichen Schwierigkeiten oder Hindernissen abschrecken zu lassen. 

Was will ich eigentlich? Die beruflichen Entscheidungen, die Sie am Beginn Ihrer Karriere treffen, sind oftmals die Weichenstellung für den weiteren Werdegang und die Basis des späteren Erfolges. Man sollte diese keineswegs übers Knie brechen, sondern sich Zeit dafür nehmen und genau fragen, welches Aufgabenfeld einen wirklich interessiert und in welchem Bereich man die nächsten Jahrzehnte in beruflicher Hinsicht tätig sein möchte. 

Vom eigenen Erfahrungsschatz profitieren. Schlau ist es, wenn man sich beispielsweise im Rahmen verschiedener Praktika bereits unterschiedliche Aufgabenfelder und Arbeitsgebiete angeschaut hat. Wer nie in den Vertrieb hineingeschnuppert hat, verbaut sich vielleicht eine tolle Chance, weil er sich diesem Betätigungsfeld von vornherein verschlossen hat. Woher wollen Sie wissen, was Ihnen gefällt, wenn Sie es nicht einmal ausprobiert haben? 

Oder anders gefragt: Kaufen Sie Schuhe, ohne diese vorher anzuprobieren?  Wenn Sie schon beim Schuhkauf kritisch sind und in den neuen Tretern immer erst eine Runde durch den Laden machen, bevor Sie sich entscheiden, sollten Sie das dann gerade in dem Moment, wo es um Ihre Zukunft geht, nicht umso mehr machen? Auch wenn Sie am Ende zu dem Schluss kommen, dass Ihnen ein Aufgabenfeld nicht gefällt, haben Sie eine Erfahrung gemacht, die Ihnen auf Ihrem weiteren Weg helfen wird. Genauso wichtig wie zu wissen, was man will, ist es schließlich auch, zu wissen, was man nicht will. Wenn der Schuh an den Zehen drückt oder die Ferse beim Laufen herausschlappt, kaufen Sie den Schuh normalerweise ja auch nicht, oder?

Stärken & Talente vs. Schwächen & No-Gos. Um herausfinden zu können, was Sie mit Ihrem beruflichen Leben anfangen möchten, ist es neben dem Sammeln von Praxiserfahrungen immer hilfreich, sich intensiv mit den eigenen Stärken und Schwächen auseinanderzusetzen. Werfen Sie einen kritischen Blick auf Ihre Talente, Ihre besonderen Fähigkeiten, die Dinge, die Ihnen Spaß und Freude machen, die Themen, für die Sie eine Leidenschaft haben, für die Sie brennen. Schauen Sie aber auch gleichermaßen und ehrlich auf die Kehrseite der Medaille – wo liegen Ihre persönlichen, verbesserungsfähigen Bereiche, bei welchen Aufgaben möchten Sie morgens lieber im Bett liegen bleiben, woran haben Sie so gar keine Freude. Ergänzen sollte man diese Betrachtung durch ein Gespräch mit engen Freunden oder der Familie. Menschen, die einen gut kennen und einschätzen können. Erfahrungsgemäß sind die meisten erstaunt, wenn sie dann erstmals hören, was die Personen aus dem engsten Kreis in einem sehen und auf einmal Stärken benannt werden, deren man sich zuvor selbst überhaupt nicht bewusst war. Gleiches gilt natürlich auch für die persönlichen Schwächen. Da gilt es stark zu sein, wenn das Feedback kommt. Aber letztendlich ist es das Zusammenspiel aller dieser bunten Facetten, was einen zu einem Individuum und besonderen Menschen macht.

Was erwarten überhaupt die Unternehmen? Gute Noten und Zeugnisse sind grundsätzlich wichtig. Sie sind der Türöffner, aber nicht das alleinige Entscheidungskriterium der Personalverantwortlichen. Wichtig sind auch bereits gesammelte praktische Erfahrungen. Darüber hinaus sind die sogenannten Soft Skills von erheblicher Bedeutung. Verantwortungsbewusstsein, Teamfähigkeit, lösungsorientiertes Denken, Eigeninitiative oder Zuverlässigkeit sind nur einige der Kompetenzen, die von den Unternehmen nicht als bloße Floskeln in der Stellenausschreibung verwendet werden. Sie sind oftmals genau die Faktoren, die am Ende die Entscheidung für oder gegen einen Kandidaten beeinflussen. 

Der passende Rahmen. Weitere Themen, die man in seine Überlegungen mit einbeziehen sollte, sind beispielsweise Gehalt, Work-Life-Balance, Betriebsklima oder auch das Renommee eines Unternehmens. Grundsätzlich gilt, dass Großunternehmen und Konzerne – auch in der Agrarbranche – häufig deutlich höhere Gehälter zahlen, als mittelständische Unternehmen und insbesondere Start-ups. Am Ende werden die meisten aber feststellen, dass Geld allein nicht alles ist und nicht das alleinige Entscheidungskriterium für einen gelungenen Berufseinstieg sein sollte. Sonst mutiert der zu Beginn so strahlende Gehaltsscheck schnell zu einer monatlichen Schmerzensgeldzahlung, die nicht wirklich glücklich macht. 

Fazit. Wenn man damit beginnt, sich gegen Ende des Studiums mit dem Thema Karriereplanung zu befassen, sollte man sich ganz einfach Zeit nehmen und sich in Ruhe mit diesem komplexen Thema und den vielen zuvor benannten Fragen auseinandersetzen. Wer sich selbst kennt und ein klares Bild davon hat, was er oder sie beruflich erreichen möchte, der kann im nächsten Schritt ganz zielgerichtet damit beginnen, die Sprossen der persönlichen Karriereleiter in Angriff zu nehmen und erfolgreich zu erklimmen. Aus der Frage »Was will ich?« muss ein klares »Das will ich!« werden.

Isabel Purnhagen, Dr. Schwerdtfeger Personalberatung, Emstek 

Bachelor oder Master?

Auf die Frage, ob Unternehmen eher einen Master- oder einen Bachelorabschluss bevorzugen, gibt es keine generell gültige Antwort. Es kommt vielmehr darauf an. Und zwar auf die Position und das Berufsbild, für welches man sich interessiert. Der Masterabschluss wird unternehmensseitig häufig in den Bereichen Forschung & Entwicklung erwartet. Im Regelfall also dort, wo der Spezialisierungsgrad stärker ausgeprägt ist und die Fachkompetenz dementsprechend eine höhere Relevanz entfaltet. Der Bachelortitel hingegen kann eine sehr gute Eintrittskarte in den Vertrieb oder das Marketing sein.

Großkonzern oder hippes Start-up?

Eine wichtige Überlegung am Beginn des beruflichen Werdegangs ist die Frage: Welche Art von Unternehmen passt eigentlich zu mir? Lieber in einem Großkonzern oder bei einem kleineren Unternehmen arbeiten? Wie wäre es, bei einem Start-up mitzumischen? Oder doch besser einen vermeintlich sicheren Job im öffentlichen Dienst anpeilen? Jede Art von Arbeitgeber hat so seine Eigenheiten: Hier gibt es mehr Geld, anderswo ist der Zusammenhalt größer oder man bekommt mehr Freiheiten.
Jeder Arbeitgeber hat Vorteile – und auch immer etwas, das gegen ihn spricht. Bei der Entscheidung, welchen Unternehmenstyp man favorisiert, sollte man sich diese vorab einmal genau anschauen.

Großkonzern

Solche Unternehmen verfügen oftmals über eine große Wirtschaftskraft und ein hohes Maß an Internationalität. Es gibt Programme, mit denen Nachwuchskräfte im Unternehmen entwickelt werden und es eröffnen sich häufig sehr dynamische Karrierewege. Die Arbeitsabläufe sind etabliert, die Bezahlung ist oft sehr gut. Hinzu kommen häufig flexible Arbeitszeitmodelle. Allerdings sollte man nicht verkennen, dass die Entscheidungswege in großen Organisationen häufig sehr lang sind und es viele, mitunter starre Hierarchiestufen gibt. Wer genau das will, ist in einer Konzernstruktur oder einem Großunternehmen gut aufgehoben. 

Mittelstand

Wer sich hingegen ein breites Aufgabenfeld und kürzere Entscheidungswege wünscht, kann sein Glück in einem klassischen Mittelstandsunternehmen finden. Im Zuge der Globalisierung sind auch diese Unternehmen zunehmend international aktiv, zeichnen sich aber dennoch durch eine gewisse Bodenständigkeit und regionale Verbundenheit aus. Einer kennt den anderen – es geht persönlicher zu. All das stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl: Häufig ist die emotionale Bindung zur Firma hier größer als in einem Konzern.

Start-up

Wenn man auf die Sicherheit pfeift, die erfolgreiche mittelständische Unternehmen und Konzerne bieten, könnte man in einem Start-up gut aufgehoben sein. Frisch, jung, dynamisch, ohne feste Strukturen, mit viel Gestaltungs- und Entwicklungsspielräumen, aber auch deutlich höheren allgemeinen Risiken für die Mitarbeitenden. Führungskräfte sind häufig noch die Gründer selbst. Klassische Hierarchien gibt es hier im Regelfall noch nicht. Eine gute Idee, die gezündet und zu einem erfolgreichen Unternehmen aufgebaut werden soll. In vielen Bereichen das Prinzip »Try and Error«, aber auch Feuer, Leidenschaft und vielleicht ein Produkt oder eine Dienstleistung, für die man mit Herzblut kämpfen will und an die man glaubt. Willkommen im Start-up – hier ist Ihr Arbeitsplatz!

Artikel aus DLG-Mitteilungen Beruf & Karriere